Die Globalisierung im Mittelalter: Die europäisch Verbreitung der galicischen Legende “Ponto”, König der Galicien und Bretagne

Quelle: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/de/bpd/glanzlichter/oberdeutsche/henfflin/cpg142.html

Der Inhalt

Im Vordergrund steht die Geschichte des Königssohnes Pontus aus der Stadt Coruña im Königreich Galicien. Der Sohn eines Sultans hatte einst Pontus‘ Vater Tiburt besiegt, Stadt und Land erobert. Dennoch war es gelungen, Pontus und andere vornehme Kinder nach Britannia (Bretagne) zu retten. Dort wächst Pontus am Hof des Königs auf und gewinnt, erwachsen geworden, die Liebe der Königstochter Sidonia. Bis er sie schließlich heiraten kann, muß Pontus allerlei gefährliche Abenteuer, Verleumdungen und höfische Intrigen überstehen. Schließlich – um ihr zu beweisen, daß er ihrer würdig ist, – befreit er sein Reich von den Heiden und erobert es zurück.

Die Absicht

Die unterhaltende Geschichte wird ausführlich von kunstvollen Dialogen, in denen ritterlich-christliche Tugenden und Lebensführung vorgeführt werden, begleitet. Ihre Äußerungen und ihr Handeln lassen die fiktiven Personen zu Figuren werden, mit denen sich die Mitglieder des Adels identifizieren konnten.

Vor allem Pontus, der Titelheld, ist hierbei von Bedeutung. Damit der Betrachter ihn wiedererkennt, wird er durchgehend in jedem Lebensalter und in jeder sozialen Position mit einer Krone gekennzeichnet. So z. B. auf fol. 4r: Pontus wird mit den anderen geflohenen Kindern vor den Sultanssohn geführt. Um sich zu schützen, behauptet er, sie seien armer Leute Kinder. Dennoch trägt Pontus in der Miniatur eine Krone auf dem Kopf. Das Tragen der Krone bedeutet aber auch: Egal in welcher Situation sich ein Königssohn befindet, er bleibt immer ein Königssohn und in seinem Handeln seiner Herkunft verpflichtet. Erzählung und Illustrationen vermitteln ein ideales Bild des Rittertums und seiner Aufgaben.

Die glorreiche Vergangenheit

Zu letzteren gehörte, das Christentum und seine heiligen Stätten vor den Heiden zu schützen. So spielt auch der Roman vor einem tatsächlichen historischen Hintergrund: die Besetzung der iberischen Halbinsel durch die Araber und ihre Befreiung von der islamischen Vorherrschaft während des 8. Jahrhunderts.

Zur Zeit als die Handschrift entstand, nahm der Adel jedoch diese vornehmste seiner Aufgaben nicht mehr war. Byzanz und das byzantinische Reich waren 1453 unter türkische Herrschaft geraten. Pontus dagegen schafft es, sein Reich von den Heiden zu befreien. Text und Illustrationen werten die ruhmreiche Vergangenheit des Adels als Beschützer und Verteidiger des Christentums auf.

So ist der Gegensatz “schlechte Heiden – gute Christen” in vielen der Schlachtendarstellungen faßbar, besonders deutlich wird er jedoch auf fol. 105v. Die Szene zeigt den Kampf um die Befreiung von Galicien, Pontus’ Heimat. Die christlichen Ritter, gekennzeichnet durch Kreuze auf ihren Rüstungen, und die heidnischen Soldaten, kenntlich durch ihre Turbane, sind zum Nahkampf übergegangen. Die Illustration verrät aber schon seinen Ausgang: Die Christen werden siegen. Ihre Kreuzesfahne weht siegreich im Wind, während der Wimpel des heidnischen Heeres bereits gebrochen ist. Das Attribut der gebrochenen, heidnischen Lanze ist übrigens typisch für spätmittelalterliche Darstellungen der Synagoge, wie z.B. auf einer Tafel des Heilsspiegelaltars von Konrad Witz.

 

 

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