„ONE BIG WORLD OF SONGS“: ZUR #GALICISCHPORTUGIESISCHEN LYRIK UND EINIGEN TRANSKULTURELLEN ECHOS (IV) #BOBDYLAN #GALICISCHPORTUGIESISCHELYRIK

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von Nils Tremer

 

2.2 Die cantigas de amor

Auch wenn sich die cantigas de amor und die cantigas de amigo in ihrem Hauptthema, der nicht erwiderten (oder nicht ausgelebten) Liebe, gleichen, so sind dennoch beträchtliche Unterschieden zwischen diesen beiden Genre zu nennen. Diese gehen vor allem darauf zurück, dass erstere maßgeblich von den provenzalischen Troubadouren beeinflusst wurde. Diese Art der Dichtung fand am Anfang des 12. Jahrhunderts im Südosten Frankreichs ihren Ursprung und zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass die Troubadoure ihre eigenen Texte und Melodien schrieben, die eine äußerst hohe Kunstfertigkeit bewiesen. Sowohl die formale Perfektion der Gedichte sowie die filigrane Vertonung dieser lassen darauf schließen, dass eine intensive Auseinandersetzung mit der Materie dem Lied vorrausing und ein literarisches Bewusstsein existierte (vgl. Alvar, 2009: 17ff.).

Die cantigas de amor nahmen sich die provenzalische Troubadour-Dichtung zum Vorbild und versuchten, diese nachzuahmen. Thematisch hat das cantiga de amor, wie der Name schon verrät, den Ausdruck der Liebe des Sängers zu einer perfekten Dame zu Grunde. Diese Liebe wird jedoch nicht erwidert—die Dame kann entweder gleichgültig als auch feindselig gegenüber dem Sänger sein—was bei ihm zu Trauer und im schlimmsten Fall zum Tode führen kann. Ob es sich bei den verbalisierten Gefühlen oder der Dame jedoch um reale Größen handelt, ist im cantigo de amor, wie in der höfischen Dichtung im Allgemeinen, schwer zu sagen. Die fehlende oder oft nur spärliche physische eschreibung der Angebeteten und der Fokus auf ihre moralischen Charakterzüge erlauben jedoc zumindest den Schluss, dass es sich bei den Damen eher um Abstraktionen oder Ideale handelt als um reale Personen, die besungen wurden (vgl. ebd., 26f.).

Auch im Hinblick auf die formellen Aspekte folgen die cantigas de amor der provenzalischen Troubadour-Lyrik. Das perfekte cantiga de amor hat keinen Refrain—viele jedoch besaßen jedoch dennoch einen—und „era considerada el mayor exponente de la capacidad técnica de los poetas, máxime si eran capaces de mantener el sentido del texto desde el comienzo hasta el final de la composición, sin interrupciones, a través de versos y estrofas“ (ebd., 27). Wirft man einen Blick über die angesammelten cantigas de amor, so fällt auf, dass sie aufgrund ihrer strengen Form sowie einer dominanten Thematik ein sehr homogenes Genre bilden, das ein hohes Prestige genoss und eindeutig der höfischen Lyrik zuzuordnen ist (vgl. Garcia, 2014: 19f.).

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: „Nothing new under the sun“
2. Galicisch-portugiesische Lyrik im Mittelalter
2.1 Die cantigas de escarnio e maldizer
2.2 Die cantigas de amor
2.3 Die cantigas de amigo
3. Das Fortbestehen des mittelalterlichen Erbes in der Neuzeit
3.1 Die Wiederentdeckung alter Lieder in der Romantik: Literatur
als Träger des Volksgeistens
3.2 Das Mittelalter in der Moderne—ein Paradoxon?
4. Bob Dylan—ein moderner Troubadour?
5. Konklusion
Bibliographie
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