„ONE BIG WORLD OF SONGS“: ZUR #GALICISCHPORTUGIESISCHEN LYRIK UND EINIGEN TRANSKULTURELLEN ECHOS (III) #BOBDYLAN #GALICISCHPORTUGIESISCHELYRIK

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von Nils Tremer

2.1 Die cantigas de escarnio e maldizer

Die Unterscheidung dieser beiden Arten war bereits zur Hochzeit der galicischportugiesischen Lyrik alles andere als selbstverständlich und die Grenze zwischen diesen beiden ist auch heute noch schwer zu ziehen. Lediglich die Arte de trobar, eine kurze theoretische Abhandlung über die unterschiedlichen Subkategorien der cantigas, die in der Zusammenstellung Cancionero de Biblioteca Nacional de Lisboa aus dem 16. Jahrhundert zu finden ist, erwähnt einige kritische Unterschiede zwischen den beiden Songtypen. Der wohl Wichtigste ist, dass die cantigas de maldizer eine Form der direkten Kritik darstellen während hingegen die cantigas de escarnio durch den Gebrauch von „palavras cuvertas“ deutlich weniger direkt und oft semantisch vielseitig zu deuten (aequivocatio) sind. Gruppiert man diese beiden Untertypen jedoch zusammen, sind sie vor allem durch ihren satirisch, burlesken oder moralisierenden Ton von der Liebeslyrik zu unterscheiden. Sie führten das Erbe des genus demonstrativum der lateinischen Rhetorik fort und zögerten auch nicht, ad hominem Kritik in diesen zu äußern. Die am Hof gedichtete Lyrik spottete über sowohl physikalische als auch moralische Mangel und die Welt dieser Songs ist von Sodomiten, Pädophilen oder auch Prostituierten bevölkert, die durch schamlose und karnevaleske Lexik und den Gebrauch von sexuellen Metaphern wiedergegeben wurden. Eindrucksvolle Beispiele dieser Lyrik sind die von Alfonso X verfassten Gedichte, die sich an die kastilische Aristokratie richtet, welche ihn nicht während seiner Kampagnen in Andalusien unterstütz hatte (vgl. Garcia, 2014: 20f.).

 

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: „Nothing new under the sun“
2. Galicisch-portugiesische Lyrik im Mittelalter
2.1 Die cantigas de escarnio e maldizer
2.2 Die cantigas de amor
2.3 Die cantigas de amigo
3. Das Fortbestehen des mittelalterlichen Erbes in der Neuzeit
3.1 Die Wiederentdeckung alter Lieder in der Romantik: Literatur
als Träger des Volksgeistens
3.2 Das Mittelalter in der Moderne—ein Paradoxon?
4. Bob Dylan—ein moderner Troubadour?
5. Konklusion
Bibliographie
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